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| Standpunkt der Bürgerinitiative | |||||
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Wir, die
Mitstreiter der Bürgerinitiativen, sind Bewohner der Oberlausitz, unserer
liebens- und schützenswerten Heimat. Wir gehören verschiedenen Berufen,
Altersgruppen, politischen und religiösen Orientierungen an. Uns eint die Sorge
um unsere Heimat, unsere Umwelt, die Zukunft unserer Region. Mittels
Unterschriftensammlungen konnten wir uns davon überzeugen, dass unsere Ansichten
von sehr vielen Menschen der Region geteilt werden.
Wir wollen die möglichst schnelle
Verbesserung der verkehrsmäßigen Anbindung unserer Region an das europäische
Fernstraßennetz. Dazu gehört vorrangig eine sichere, komfortable und schnelle
Straßenverbindung von Zittau nach Löbau mit den entsprechenden Ortsumfahrungen
(B 178) und weiter über die vorgesehene neue Verbindung zur A 4. Das trifft
unabhängig davon zu, ob und wie ein Grenzübergang nach Polen oder Tschechien in
Zittau gestaltet werden kann. Wir wollen eine solche Verkehrslösung unter
Wahrung der Verhältnismäßigkeit an Aufwand und Nutzen und unter Vermeidung
unnötiger Opfer an Landschaft, Landwirtschaft, Natur und Lebensbedingungen der
Anwohner, und auch an Finanzmitteln. Dies ist durch den Bau einer neuen Straße
wie geplant, nicht gegeben. Deshalb bevorzugen wir den intelligenten
Ausbau der vorhandenen Straße
B 178
zu einer
leistungsfähigen Verbindung, die den genannten Forderungen genügt.
Der Gedanke an
eine autobahnähnliche vierspurige Verbindung Weißenberg - Zittau entstand, als
anfangs der 90ger Jahre über die infrastrukturelle Gestaltung der Region
nachgedacht wurde. Seitdem haben sich aber gravierende Änderungen der
Voraussetzungen ergeben: Der Euphorie nach der Vereinigung folgten Ernüchterung
durch Rezession und Arbeitslosigkeit, Verkehrsbelastungs-Prognosen wurden
präzisiert, andere Verkehrswege projektiert und in Angriff genommen, die
Abwanderung aus der Region setzte ein und hält an. So ist nunmehr nur noch eine
neue Straße mit dem Profil 2+1 vorgesehen. Die Leistungen einer solchen Straße
sind auch ohne einen kompletten Neubau zu erzielen. Deshalb wollen wir den
intelligenten Ausbau der vorhandenen Straße.
Diese vorteilhafte
Alternative stieß bei den Verantwortlichen bisher stets auf unverständliche
Ablehnung, die leider auf Vorurteilen beruht. An keiner Stelle war es bisher
möglich, über sachliche Argumente zu reden. Wir wurden nur immer wieder mit
Losungen konfrontiert, wie diese: „Die Wirtschaft der Region braucht eine neue
Straße“, „Die Menschen wollen schneller zur Autobahn...“, Wir müssen die EU -
Osterweiterung gestalten...“ Wir bevorzugen aber den Austausch von
Argumenten und die Bewertung ihrer Stichhaltigkeit. Deshalb fordern wir, unsere
Argumente und Überlegungen zu beachten. Sie ergeben sich nicht aus
kleinlichen egoistischen Motiven, sondern aus Sorge um unsere Landschaft, Umwelt
und Wirtschaft. Der Ausbau der vorhandenen Straße ist durchaus eine attraktive
Alternative zum geplanten Neubau. Wir können
das belegen !
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1.
Der Neubau ist nicht wirklich
notwendig, wenn die vorhandene Straße intelligent ausgebaut wird!
Die
Südoberlausitz und die Stadt Zittau sind bereits sehr gut in das bestehende
Verkehrsnetz eingebunden. Nach Zittau führen drei Bundesstraßen und (ohne die
Kleinbahn) drei Anschlüsse der Deutschen Bahn. Bemerkenswerterweise wurde die
Bahnverbindung Zittau - Löbau, die genau der Relation der zur Debatte stehenden
B 178 entspricht, vor wenigen Jahren „mangels Bedarf“ abbestellt !
Die B 178 wird
nie in den aktuellen Staumeldungen erwähnt. Sie wird nach amtlichen Angaben von
ca. 8.000 Kfz/ Tag benutzt und ist damit - wie auch die B 99 - statistisch nicht
ausgelastet. Man kann sich Tag für Tag davon überzeugen. Die Reise auf der
Straße wird durch das Fehlen von Überholmöglichkeiten und durch gefährliche
Unfallschwerpunkte beeinträchtigt. Außerdem fehlen eine Ortsumfahrung
Herrnhut und einige Maßnahmen zur Erleichterung des Verkehrs.
Die
Notwendigkeit der neuen Straße wird offiziell begründet mit einer
Belastungsprognose von über 24.000 Kfz/Tag! Eine Verdreifachung des Verkehrs in
wenigen Jahren ist aber nicht tatsächlich zu erwarten. Dabei ist der auf der B
178 verbleibende große Verkehrsanteil (mind. 50%, also 4.000 Kfz/Tag) noch gar
nicht berücksichtigt! Die Begründung mit Transit und Bemühungen des benachbarten
Auslands sind nicht stichhaltig, wenn man die Struktur des Fernstraßensystems
in Tschechien und die ablehnende Haltung Polens zu den Problemen zur Kenntnis
nimmt.
Man verbreitet
die Losung, daß eine neue Sraße auf wundersame Weise und automatisch die
Wirtschaft in der Region beleben würde. Diese Denkweise ist falsch und
gefährlich! Denn es gibt keinen Automatismus der Art „Straße ist gleich
Wirtschaftserfolg“. Das einseitige Starren auf die Wirkungen der Straße
behindert im Gegenteil die Suche nach innovativen Ideen. Im Kreis gibt es
keinerlei Konzept, in welcher Weise die Straße die Wirtschaft beleben könnte.
2.
Die vorhandene Straße ist
durch Ausbau sehr leistungsfähig zu gestalten!
Stets wird
verbreitet, „Der Ausbau wäre nur sehr schwer zu realisieren und weder schneller
noch billiger als ein Neubau“. Wahr ist aber: Ein Ausbau mit ortsnaher
Umfahrung von Herrnhut und mit Überhol- Kriech- Abbiege- und
Beschleunigungsspuren, verbesserten Anbindungen, entschärften Kreuzungen, Kurven
und Bergkuppen (das entspricht etwa dem Profil 2+1) ist abschnittsweise und ohne
den sonst großen baurechtlichen und Planungsaufwand sehr schnell zu
verwirklichen, wodurch wir schon alsbald in den Genuß verbesserter
Verkehrsbedingungen kämen, die wir wollen! Solche Ausbaumaßnahmen sind überdies
auch erforderlich, selbst wenn eine neue Straße gebaut werden würde, denn die
alte bliebe ja in Nutzung und entspricht überhaupt nicht mehr den gewachsenen
Ansprüchen an Sicherheit und Komfort. Akute Unfallschwerpunkte müssen dringend
beseitigt werden! Man könnte also ohne das Risiko einer Fehlinvestition den
notwendigen Ausbau forcieren und die reale Verkehrsentwicklung abwarten. Sollte
sich die Verkehrsbelastung irgendwann drastisch vergrößern, könnte man immer
noch über einen Neubau nachdenken.
Wir räumen ein, daß es schwerlich möglich
sein dürfte, mit vernünftigem Aufwand aus der B 178 eine Kraftfahrstraße
(anbaufrei, planfrei) zu machen, wie es die B 178n wäre. Aber dadurch wären
keine wesentlichen Vorteile gegenüber der Ausbauvariante zu erzielen, so daß
die Opfer an ganz umsonst wären.
Die Verfechter
eines Neubaus erwecken die Erwartung, eine neue Straße sei sehr viel schneller
als die ausgebaute alte, und der Ausbau führe zu Verlusten an Attraktivität der
Oberlausitz, in der Wirtschaft u.s.w. Wenn man vergleichend auf der Grundlage
der vorliegenden Planungsgrößen nachrechnet, ergibt sich aber diese
Gegenüberstellung: |
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| B178 | B178 neu | B178 ausgebaut | |||
| Strecke | Kreuzung Löbau Süd bis Anschl. Nordspange Zittau | Kreuzung S148 bis Anschl. Nordspange Zittau | Kreuzung S148 bis Anschl. Nordspange Zittau | ||
| Entfernung | gemessen 20,6 km | geplant 25,4 km |
etwa 21 km |
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| Durchschnitts-Geschwindigkeit | ca. 70 km/h | ca. 100 km/h |
ca. 80 km/h |
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| Fahrzeit | ca. 17 bis 19 Min. | ca. 15:14 Min. | ca. 15:45 Min. | ||
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Ein Neubau für
über 200 Mio. Mark und mit drastischen weiteren Opfern
beschert uns den lächerlichen Gewinn an Fahrzeit von
dreißig Sekunden !
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Und kein
Unternehmen, das eine Ansiedlung bei und erwägt, wird die letzten Fahrminuten
als entscheidendes Kriterium ansetzen.
Andererseits: Die längere Strecke des Neubaus
hat erhebliche Konsequenzen. Etwa 4 km mehr bedeuten beim Kraftstoffverbrauch
eines 38t. - Trucks von 36 l/100 km einen Mehrbedarf von ca. 1,44 l mit dem
entsprechenden Zuwachs an Schadstoffemissionen und CO2 ohne
irgendeinen dagegen stehenden Nutzen. Beim einem PKW mit nur etwa 7 l/ 100 km
Verbrauch ergibt sich ein Mehrbedarf von ca. 0,3l je Fahrt. Wenn man die
Planungsgrößen der Straße zugrunde legt (ca. 24.000 Fahrzeuge täglich, mit
großem LKW - Anteil) ergeben sich an die 7.000 l Diesel und 5.700 l Benzin -
Mehrbedarf
täglich gegenüber der Ausbauvariante! Ist das unser
Beitrag zum Klimaschutz?
Der finanzielle Aufwand soll nicht unerwähnt
bleiben. Niemand kann nachvollziehen, dass ein Ausbau ebenso teuer werde, wie ein
Neubau. Das widerspricht allen Erfahrungen. Außerdem ist er in kleinen Baulosen
durch einheimische Unternehmen zu verwirklichen, so dass die Gelder wirklich der
Region zu gute kämen!
Zur EU -
Osterweiterung: Dies ist ein sehr komplexer Vorgang. Er verläuft bereits mit
großer Dynamik. Da kommt es auf unsere 20 km Straße wirklich nicht an. Diese
Straße und auch der Grenzübergang. - der wegen der Wünsche der Menschen aus
Zittau vor wenigen Jahren für LKW größer als 7,5t geschlossen wurde - haben
ihre Bedeutung, aber eher regional.
Fazit: Der
Ausbau ist möglich, erzielt entscheidende Vorteile uns sichert nahezu identische
Verkehrsleistungen.
3. Der Ausbau vermeidet gegenüber
dem Neubau damit verbundene Nachteile, Belastungen und Opfer. Der Ausbau ist die
insgesamt vorteilhafte Lösung.
Die von uns
bevorzugte Ausbauvariante verlagert nicht einfach gleiche Belastungen - dazu
rechnen wir durchaus auch die finanziellen, die ja alle zu tragen hätten - auf
andere Betroffene, nein, sie vermeidet sie bzw. macht sie insgesamt
erträglicher. Dadurch gewinnt der Ausbau unübersehbare Vorteile (aus
Platzgründen hier nur die wichtigsten): |
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Auf S. 88, die
Landschaftsbildverträglichkeit der neuen Straße betreffend, heißt es: „
.....der Landschaftseindruck ist großzügig offen und von in sich ruhender,
schöner Selbstverständlichkeit. Von den anfangs erwähnten, den Landschaftsraum
bildenden Hügeln ist natürlich auch der raumüberblickende Gesamteindruck möglich
- eine Zerschneidung (durch die neue Straße, d. A.) wird in jedem Falle eine
gravierende Änderung bedeuten. Der jetzige Reiz dieser Landschaft wird
unwiederbringlich zerstört.“
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